Manche Autoren sagen, dass man erst eine Webseite und Onlinepräsenzen braucht, wenn man „schon etwas geleistet hat“, schon jemand ist, ein Buch veröffentlicht hat. Sie raten Jungautoren dann immer vehement davon ab, sich überhaupt als Autoren zu bezeichnen und raten ihnen, mit dem Marketing erst zu beginnen, wenn das Endprodukt fertig ist.

Aus Marketingsicht ist das in meinen Augen der denkbar schlechteste Weg.

Mein Weg mit dem „Vorher-Marketing“

Alle meine Webseiten und Social-Media-Accounts, die mit meinem Autorendasein zusammenhängen, entstanden lange bevor ein Verlagsvertrag auch nur ansatzweise in Sicht war.

Zugegeben, auf Twitter (seit 2009) war ich einfach in erster Linie, weil es mir Spaß macht. Auch mein schon 2007 gegründeter Blog diente nicht bewusst dem Marketing, auch wenn ich inzwischen fast nur noch über Autorendinge blogge.

Auf Facebook (seit 2013) dagegen war die Autorenpräsenz durchaus eine bewusste Entscheidung. Ich wusste, dass die meisten Leser auf Facebook zu finden sind und dort die direkte Kommunikation mit den Lesern voraussetzen. Ich wusste also auch, dass ich mich darauf einlassen muss.

Es hat übrigens Jahre gedauert, bis völlig fremde Leute angefangen haben, meine Posts zu liken und zu kommentieren. Ich bin jetzt noch stolz auf jedes Like, jeden Kommentar von jemandem, der wildfremd ist. Natürlich freue ich mich auch über jede Reaktion eines Menschen, den ich kenne – aber bei jedem ganz fremden Namen jubele ich innerlich.

Da hat mich jemand gefunden, der mir nicht persönlich verbunden ist und sich für meinen Content interessiert! Nur aufgrund meiner Art zu schreiben! Wie toll ist das denn? 

Der Autor als Marke

Es ist im Prinzip eine einfache Regel des Marketings: Beginne mindestens ein Jahr vor dem Herausbringen eines Produkts mit dem sichtbaren (!) Marketing.

Bei Autoren bedeutet das in der heutigen Zeit, in der Buchverkäufe oft davon abhängig sind, ob „der Autor zum Anfassen ist“ und „ob der Autor sympathisch ist“, dass man gefälligst nicht nur sein Produkt (Buch, Blog etc., falls vorhanden) hochhält und laut „Kaufen!“ schreit.

Es bedeutet vor allem, dass man sich selbst als Marke darstellen/stilisieren muss. Man gibt etwas von sich preis, damit die Leser überhaupt erst erfahren:

  1. du bist Autor
  2. es ist was von dir unterwegs

Der Leser von heute abonniert gerne Autorenseiten und möchte wissen, ob der Lieblingsautor sich die Haare gefärbt hat und ob er die Lieblingsserie auch so gern hat wie man selbst.

Während die etablierten Verlagsautoren oft ein bisschen unnahbar wirken – sogar dann, wenn es sich um offene und sympathische Menschen handelt – wollen die Leser von einem modernen Autor, dass er oder sie sich wie jemand von ihnen anfühlt. Kein schreibendes Überwesen.

Leser wollen abgeholt, motiviert und inspiriert werden.

Oder hat jemand von euch jemals ein Buch gekauft, weil alle 10 Minuten auf Twitter eine Kaufaufforderung des Autors gepostet wurde?

Ich gehe nicht davon aus, dass an dieser Stelle auch nur ein Leser mit „Ja! Ich!“ geantwortet hat.

Wie es mal jemand anders so wunderbar erklärt hat: Das Internet ist keine Litfaßsäule. Wer als Autor auf seiner Präsenz nichts weiter zu sagen hat als „Kauf meine Sachen!“ ist für den Leser uninteressant, da man automatisch annimmt, der Autor hätte auch sonst nichts Interessantes zu erzählen.

Follower, Leser und Erfahrungswerte

Wer früh anfängt und spätestens bei der ersten eigenständigen Veröffentlichung einen soliden Followerstamm hat, kann daraus seine ersten Leser generieren, die, wenn man es klug anstellt, sogar schon sehnsüchtig auf die Veröffentlichung des ersten Buches warten. Außerdem hat man zu dem Zeitpunkt in der Regel auch bereits eine gewisse Lehrzeit in Sachen Marketing hinter sich.

Denn klar kann man versuchen, Marketing und Networking mit Hilfe von Ratgebern und Webinaren zu lernen. Wirklich gut umsetzen wird man jedoch nur das, worin man auch authentisch ist.

Ich fühle mich nicht wohl dabei, unfertige / unlektorierte Texte zu schnipseln oder Bilder von mir zu posten – also lasse ich es. Andere Autoren machen das und fühlen sich wohl dabei. Wenn ich nun nur um des Marketings willen etwas tun würde, was nicht zu mir passt, spüren das die Leser und wenden sich ab.

Wer also früh anfängt, hat auch Zeit, Erfahrungen zu sammeln.

Was funktioniert für mich persönlich?
Was kann ich gut?
Was mache ich gern?
Wo muss ich mich weiterentwickeln, bevor ich die Leser damit konfrontiere?
Und wobei fühle ich mich kein bisschen wohl, sodass ich dieses etwas nie wieder auf meiner Webseite oder in meinen Social-Media-Kanälen ausprobieren werde? 

Wenn das erste Buch erscheint, sollten Marketing und Networking halbwegs sitzen

Sonst hat man ein Buch herausgebracht, fängt mit Werbung erst an und alle denken „Wieso soll mich das kümmern? Ich kenne diesen Menschen nicht.“

Und dann macht man Fehler, wo vielleicht keine mehr passieren dürften.

Als Linkempfehlung bringe ich zwei Artikel von Madita Kohrt auf dem Schreibmeer-Blog mit.

  1. Content Marketing – Wie du die richtigen Inhalte findest
  2. Branding für Autoren – Das „Ich“ als Marke

Viel Spaß – und viel Erfolg! 

 

Dieser Artikel stammt aus der Feder unserer lieben Katherina Ushachov. Danke Katherina! ?

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