Eine Frage, die sich gerade Autoren mit begrenztem Budget stellen, ist die nach dem Lektor und dem Korrektor. Gleichermaßen wird auch die Frage nach der Notwendigkeit eines Coverdesigners gestellt, aber das ist ein anderer Artikel. Heute beschäftigen wir uns mit deinem Manuskript und der Notwendigkeit von Lektor und Korrektor.

In der Regel hast du Freunde, die gern lesen. Da reicht es doch eigentlich, wenn die mal eben drüber lesen und dir sagen, warum es ihnen gefällt und was du noch ändern könntest oder? Kurze Antwort: Nein.

Warum du einen Lektor brauchst

Auch wenn deine Freunde gern in dem Genre lesen, in dem du veröffentlichen möchtest, eignen sie sich nicht als Lektoren-Ersatz. So gemein es klingt, aber schon weil sie deine Freunde sind, disqualifizieren sie sich selbst. Denn was wollen Freunde meistens? Sie wollen deine Freunde bleiben. Was fällt uns in Freundschaften oft schwer? Den jeweils anderen ehrlich und hart zu kritisieren.

Ehrliche und schonungslose Kritik ist aber genau das, was du brauchst. Umso mehr, wenn du noch nicht veröffentlicht hast und auf keinerlei Erfahrungen und Leserfeedback zurückgreifen kannst. Hinzu kommt, dass ein Lektor erfahren ist und nicht nur nach seinem eigenen Geschmack geht (auch wenn dieser natürlich mit einfließt), sondern vor allem weiß, was der Markt will, was eine gute Geschichte ausmacht und wo deine Figuren an Glaubwürdigkeit verlieren.

Ein Lektor ist nicht nur dazu da, gegen Geld dein Buch zu lesen und dir zu sagen, ob er es gut findet. Du bezahlst ihn/sie dafür, dein Manuskript auseinander zu nehmen und mit dem Finger auf jede Schwachstelle zu zeigen, die sich offenbart.

Und keine Sorge, auch wenn du dich über die Zeit mit deinem Lektor anfreundest, musst du ihn nicht austauschen, nur weil ihr Freunde werdet. Lektoren sind von Natur aus unbarmherzig. Hast du also einen guten gefunden: Behalte ihn.

Warum du einen Korrektor brauchst

Ähnlich sieht es mit einem Korrektor aus: Du brauchst einen. Ja ich weiß, du kennst da diese Tante der Cousine dritten Grades, die mal Deutschlehrerin in der Grundschule war. Und die würde total gern dein Buch lesen und korrigieren. Und vielleicht hast du sogar Glück und findest tatsächlich ein Spitzenass in neuer deutscher Rechtschreibung und Grammatik. In den meisten Fällen ist es aber nicht so. Klar, die Aussicht auf eine kostenlose Korrektur ist gerade bei schmalem Budget verlockend.

Trotzdem solltest du dich auf einen professionellen Korrektor verlassen, den du buchst und bezahlst. Solche Leute verdienen ihren Lebensunterhalt damit, aus Manuskripten lesbare Bücher zu machen und bringen einfach den Teil an Erfahrung mit, den du brauchst.

Textblindheit

In Gefahr, bei Lektoren/Korrektoren damit einen Shitstorm auszulösen: Aufgepasst bei Anbietern, die dir Lektorat und Korrektorat als Gesamtpaket anbieten! Professionelle Auftragnehmer bieten dir in der Regel nicht an, beides für dein Buch zu tun. Natürlich können sie beide Dienste anbieten, lassen sich dann aber pro Buch nur für eines der Gebiete buchen.

Warum? Weil niemand davor gefeit ist, textblind zu werden. Textblindheit bedeutet ganz einfach, dass du immer mehr Fehler übersiehst, je öfter du an einem Text arbeitest. Sie ist der Grund, wieso du überhaupt erst einen Lektor und einen Korrektor brauchst. Und der Grund, warum es zwei verschiedene Personen sein müssen, wenn du ein gutes Ergebnis haben willst.

Gerade bei einem Buch, bei dem es sich nicht um einen 500 Wörter Text, sondern um ein 45, 60, 80K oder noch längeres Manuskript handelt, wird es schwer, den Überblick zu behalten. Mit der Zeit wirst du offensichtliche Logiklöcher oder Tippfehler einfach übersehen, egal, wie oft du deinen Text liest. Grund dafür ist dein Gehirn. Es „hilft“ dir, indem es die Lücken einfach ausfüllt und Fehler „verschwinden“ lässt, damit du flüssig durch den Text lesen kannst. Wie schon bei dem Problem mit der Schreibblockade, gilt auch hier: Gut gemeint ist nicht immer gut geholfen.

Da auch Lektoren ein Gehirn haben, geht es ihnen genauso wie dir. Auch sie verbringen Stunden und Tage mit deinem Text. Irgendwann kennen sie dein Manuskript zu gut, um auch noch ein professionelles Korrektorat vornehmen zu können. Hier kommt die zweite Person ins Spiel. Ein neuer Korrektor geht mit frischen Augen ans Werk und findet all das, was der Lektor und du übersehen haben.

Was du tun kannst, wenn du kein Budget für einen Lektor hast

Die häufigste Antwort, die in Gesprächen über dieses Thema fällt, lautet: „Ich kann es mir halt nicht leisten.“ Dicht gefolgt von „Das kann sich nicht jeder leisten“, „Manche Leute haben halt nicht so viel Geld oder Kinder oder …“ und „Ich muss schon das Cover bezahlen, beides geht nicht“. Deshalb möchte ich dir ein paar Tipps an die Hand geben, wie du es dir doch leisten kannst.

Sparen

Klingt simpel oder? Aber selbst dieser simple Vorschlag wird oft schon im Keim erstickt. Es kommen wieder die gern als Ausrede genommenen Kinder ins Spiel, die so viel kosten oder das Auto oder den Netflixaccount den man bezahlen muss oder oder oder. Die wenigstens setzen sich wirklich unvoreingenommen hin und sehen sich ihre Finanzen richtig an. Wenn du wirklich dein Buch schreiben und veröffentlichen willst: Kannst du dann nicht mal für ein paar Monate auf Netflix verzichten? Oder dein Essen selbst kochen, statt Essen zu gehen? Oder auf das Bücher/Klamotten Shopping verzichten?

Einfacher Tipp: Spare gleich am Anfang des Monats einen kleinen Betrag, den du per Dauerauftrag auf ein Sparbuch überweist. Dieses Sparbuch schließt du irgendwo weg, wo es eine Weile dauert, es zu erreichen. Dafür eignet sich z.B. eine Geldkassette, die du in einem Raum aufbewahrst, während du den Schlüssel in einer Schublade in einem anderen Raum verbuddelst. Das allein hält dich schon ab, es ständig hervorzuholen, um Geld abzuheben (wir machen uns hier die menschliche Faulheit zunutze). Der zweite Vorteil eines haptischen Sparbuchs: Damit ist kein Online Banking möglich. Wenn du das Geld haben willst, musst du also wirklich erst den Schlüssel suchen, damit in den anderen Raum gehen, um die Kassette aufzuschließen und dann damit zu Bank laufen. Willst du das wirklich tun, um am Ende dann nur ein Eis damit zu kaufen? Erst recht, wo du weißt, dass du für deinen Lektor sparst?

Dazuverdienen

Du hast vermutlich genauso wenig Zeit, wie wir alle. Das alltägliche Leben überrollt dich mit Aufgaben und du kannst nicht mal durchatmen. Wie sollst du da noch einen Nebenjob machen?

Indem du dich organisierst. Setz dich hin und skizziere deinen typischen Tag. Wo kannst du noch eine halbe Stunde herholen? Welche Aufgaben kannst du auf einen anderen Tag legen, um einen ganzen Block von einer Stunde zu erhalten? Kannst du statt 8 Stunden auch nur 7 schlafen und eher aufstehen oder später ins Bett gehen? Kannst du den Mittagsschlaf der Kids nutzen?

Wenn du die Zeit geschaffen hast (wir haben nie Zeit, wir nehmen sie uns), überlege dir, was du tun kannst. Für einen Nachbarn gegen Geld einkaufen gehen. Oder ihren Hund ausführen. Wenn du schon Autor bist, könntest du für jemanden als Freelancer Texte schreiben. Oder alte Bücher/Filme/Kleidung/Möbel aussortieren und verkaufen. Es gibt sogar Firmen, die Leute suchen, um Kugelschreiber zusammenzuschrauben. Das könntest du Abends machen, während du dir Youtube-Videos über das Vermarkten deiner Bücher ansiehst. Dann schlägst du gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Der wichtigste Punkt: Deine Prioritäten

Brauche ich wirklich einen Lektor? Muss ein Korrektor über meinen Text gehen oder reicht ein Testleser? Brauche ich wirklich einen Coverdesigner oder kann ich nicht selbst mit paint.net einen nackten Mann auf einen flammenden Hintergrund klatschen und den Titel dazuschreiben? Kann ich mir überhaupt leisten, jemand anderen einzustellen?

Bei all diesen Fragen gibt es eine, die du ganz klar beantworten solltest, bevor du dich in die Arbeit stürzt, die ein Buch nun mal macht: Ist es mir das wert?

Wie sehr willst du dein Buch veröffentlichen und wie sehr willst du, dass es gut wird? Willst du dir selbst etwas beweisen oder anderen? Möchtest du nicht nur veröffentlichen, sondern auch gut verkaufen und bewusst Geld damit verdienen?

Ich bin davon überzeugt, dass wir in unserem Leben so ziemlich alles erreichen können, wenn wir es in unserer Prioritätenliste ganz nach oben setzen. Wenn du es willst, kannst du sogar in Hogwarts zur Schule gehen! In der University of Scottland (Hogwarts) gibt es einen einwöchigen Schreibkurs, den du buchen kannst – und ich überlege sogar ernsthaft, das nächstes oder übernächstes Jahr zu tun.

Ja vielleicht hast du einen anstrengenden Job, vielleicht hast du Kinder oder Streit mit der besten Freundin oder Familie/Freunde, die dich nicht unterstützen. Und ich verstehe natürlich, dass dein Kind immer an erster Stelle steht. Aber dein Leben ist nicht von Stelle eins ausgefüllt. Ganz gleich, wie sehr du dein Kind liebst, wie wichtig dir deine Freunde sind: Euch allen geht es besser, wenn es auch dir gut geht. Und wenn du ein professionelles Buch rausbringen willst, weil es das ist, was du tun willst und was dich erfüllt, dann schiebe es auf deiner Liste mindestens auf Platz 2.

Zusammenfassung

  • Ja – du brauchst einen Lektor.
  • Ja – du brauchst einen Korrektor.
  • Nein – das können nicht deine Freunde und Bekannten machen.
  • Ja – du wirst dafür Geld in die Hand nehmen müssen.
  • Ja – es ist die Sache wert, solange dein Buch es dir wert ist.

Jetzt bist du gefragt

Hast du schon mal ein Buch veröffentlicht, ohne dass es Lektorat oder Korrektorat hatte? Oder hast du schon mal einen Auftragnehmer für ein Gesamtpaket gebucht? Nutzt du nur Testleser oder Testleser in Ergänzung? Oder stehst du vielleicht davor, dein erstes Buch in die Überarbeitung zu schicken und hast noch Fragen, was Lektor und Korrektor angeht? Schreib es in die Kommentare!

 

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8 Gedanken zu “Lektor und Korrektor – brauche ich die?”

  • Ich war bei Verlagen, die meine Manuskripte durchs Lektorat und Korrektorat geschickt hatten. Am Ende war ich so enttäuscht, dass ich wirklich ernsthaft überlegt hatte, mit dem Schreiben aufzuhören. Zum Glück konnten mich meine treuen Leser/innen davon überzeugen, weiter zu machen.
    Mein nächstes Buch veröffentliche ich selber. Das Manuskript hat bereits ein passenden Buchsatz und ein Cover. Zurzeit durchläuft es eine Endkorrektur – alles professionell, denn das ist mir mein Buch(in das ich viel Arbeit reingesteckt habe) wert.

    • Hallo Katy,

      das ist auch das, was ich bei Verlagen immer befürchtet hatte. Inzwischen habe ich mein Romance-Debüt Basterds bei einem tollen Kleinverlag veröffentlicht, der wirklich toll mit mir zusammenarbeitet. Aber ja, das Selfpublishing ist immer noch etwas, was ich sehr liebe. 😀

      Ich finde es echt cool, dass du dein Ding trotzdem durchziehst und dabei auf Qualität achtest. Ich wünsche dir viel Erfolg! 🙂

  • Mir ist auch schon mal der traurige Fall untergekommen, dass ein Autor sein Buch zum Korrektorat an eine Dame gegeben hatte, von der man anhand ihres Lebenslaufs davon ausgehen konnte, dass sie das kann. Es war ein Flop: Kommasetzung mit der Gießkanne, Buchstabendreher… Alles deutlich über das tolerable Maß hinaus. Die mangelhafte Zeichensetzung hat sie auf Nachfrage mit der „literarischen Freiheit“ begründet. Der Autor sagte, er habe für diese Leistung viel Geld ausgegeben. Einen Betrag nannte er nicht. Es war auf jeden Fall zu teuer.
    Viele Grüße
    Ina Degenaar

    • Hallo Ina,

      ja, schwarze Schafe gibt es ja leider immer. Meine erste Erfahrung war im Nachhinein auch nicht die beste. „Literarischer Freiheit“ auf grammatikalische Regeln zu münzen ist allerdings echt … abenteuerlich. Das würde ich aber nicht gleich auf die ganze Branche münzen. Es gibt echt gute Lektoren und Korrektoren und ich bin jetzt wirklich froh, mich weiter umgesehen zu haben. 🙂

      Liebe Grüße, Alice

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