Teenager tauschen erste interessierte Blicke. Der Graf verliebt sich unsterblich in die Tochter des Jägers. Die Auftragskillerin entdeckt ihre Leidenschaft für das vermeintliche Opfer. Eine Begegnung genügt und der Bodyguard weiß, dass er mehr für seine Auftraggeberin empfindet, als er sollte.
Der schwule Friseur verliebt sich in den Feuerwehrmann.
Moment.

Nein, über so etwas kann ich nicht schreiben. Ich bin schließlich nicht schwul.

Oder kann ich mich womöglich doch an die Thematik wagen?

Autoren schreiben Geschichten über Elfen, Orks, Drachen, Vampire, Wandler, Mörder, Frauen, Männer, Kinder, alte Menschen und was ihnen ihre Muse sonst noch aufs Auge drückt.
Stellt sich dort die Frage: Ich bin schließlich nicht/kein …?
Ich denke nicht.

Ideen, Einfühlungsvermögen und mitunter eine Menge Recherchearbeit bringen den Autor dazu, seinen Protagonisten und der Umgebung Leben einzuhauchen. So ist es letztendlich auch, falls man sich entschließt, Akteure in eine Geschichte einzubauen, die nicht geradlinig heterosexuell sind.

Recherche ist das A und O, denn wenn man einfach drauflos tippt, verarbeitet man womöglich nur ein Klischee, das man unbewusst mit sich herumträgt. In vielen Köpfen gibt es zum »schwulen Mann« ein bestimmtes Bild, das man vor Augen hat. Dieses Bild sollte überprüft werden. Menschen sind dick, dünn, groß, klein, extrovertiert, introvertiert, skurril, warmherzig, egozentrisch und vieles mehr. Schwule Männer unterscheidet nur ein Punkt: Sie lieben Männer.
Spätestens, wenn man als Autor ans Eingemachte geht, ist Recherche wichtiger denn je. Wer Explizites schreiben möchte, der sollte sich mit den Fakten auskennen, um den Inhalt glaubwürdig zu vermitteln.

Ebenso ist nicht zu vernachlässigen, dass die wenigsten schwulen Männer so unbelastet durch das Leben schreiten können wie jemand, der in das Weltbild der überwiegenden Mehrheit passt. In einer fiktiven Welt, in der Homosexualität ein akzeptierter Bestandteil der Gesellschaft ist, mag es sein, dass es nur ein geringes Konfliktpotenzial gibt. Doch ein Roman, der in der Gegenwart spielt, ist nicht realistisch, wenn ein schwuler Protagonist hürdenfrei durch sein Leben gekommen ist.
Womit erneut das Thema Einfühlungsvermögen zur Sprache kommt.
Hürden haben Auswirkungen, sei es Mobbing in der Schule, Intoleranz durch die Familie, Diskriminierung am Arbeitsplatz oder keine vorhandene Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren.

Schwule Protagonisten haben also bereits durch ihre Homosexualität ein gewisses Päckchen an Problemen, das sie begleitet. Mal ist es weniger groß, mal ist es ein Umzugscontainer.
Dies trifft natürlich nicht nur auf homosexuelle Protagonisten zu, sondern auf alle, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen.
Geschichten mit homosexuellen Akteuren erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und sind inzwischen salonfähig geworden. Selbst große Verlagshäuser tasten sich behutsam in diesen Bereich vor.

Das macht Autoren, die sich bisher nicht an Stoff dieser Art herangewagt haben, hoffentlich Mut, ihre Ideen umzusetzen.

Über die Autorin

Cat T. Mad wurde 1974 geboren und ist in einer Niedersächsischen Kleinstadt beheimatet. 2013 hat sie als Selfpublisherin ihre erste Geschichte auf den Markt gebracht und ist seit 2015 sogar hauptberuflich Selfpublisherin. Im selben Jahr hat sie ihren ersten Verlagsvertrag unterschrieben.

 

Kontakt
Webseite: Cat T. Mad tells storys
Facebook: Cat T. Mad

Ein Gedanke zu “Liebe ist Liebe – Oder etwa nicht?”

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