Mit einer negativen Rezension umgehen

“Die Wendungen waren für mich total vorhersehbar, Love’s Verhalten war nicht nachvollziehbar und Jackson unsympatisch. Das Buch ist außerdem voll der Softporno mit sooo vielen Rechtschreibfehlern!” Das sind einige der Aussagen einer negativen Rezension (2 Sterne), die ich für Savage – Ruf der Instinkte* erhalten habe. Die Rezension ist inzwischen gelöscht worden, vermutlich von Amazon oder vom Rezensenten selbst.

Trotzdem war sie erstmal da und noch sehr viel ausführlicher als das oben Wiedergegebene. Der Rezensent ließ sich in mehreren Absätzen negativ über das Buch aus und schimpfte über alles, was er finden konnte. Sicher ist es nicht perfekt, das ist wohl kein Buch. Selbst der größte Bestseller aller Zeiten – die Bibel – hat Plotholes, bei denen man mit den Zehen wackelt. Trotzdem handelte es sich bei der Rezension ziemlich offensichtlich um einen Verriss. Da es mein erster Verriss war, stellte es mich vor eine wichtige Frage: Wie gehe ich jetzt damit um?

Warum zerreißt jemand dein Buch?

Rezensionen, die mit ein oder zwei Sternen daher kommen, werden in der Regel von Lesern geschrieben, die dein Buch (oder auch dich) wirklich nicht mögen. Das kann verschiedene Gründe haben. Entweder hat ihnen die Geschichte nicht gefallen, dein Schreibstil ist nicht ihr Ding oder sie sind gar nicht die Zielgruppe. Es kann auch passieren, dass sie dich als Person nicht mögen und dein Buch deshalb zerreißen, ohne sich wirklich die Mühe gemacht zu haben, es zu lesen. Mir ist zu Ohren gekommen, dass durchaus auch Kollegen dazu neigen, andere Bücher zu zerreißen oder zerreißen zu lassen, um ihre eigenen Werke zu pushen (eine Praxis, von der ich dringend abrate, Stichpunkt Karma und gesunder Menschenverstand – denn wenn du das tust, bist du schlicht ein neidisches Arschloch).

Insgesamt gibt es also verschiedene Gründe:

  1. Der Rezensent mag deinen Schreibstil nicht
  2. Der Rezensent mag die Story oder die Figuren nicht
  3. Der Rezensent hat sich verlaufen und ist gar nicht die Zielgruppe
  4. Der Rezensent mag dich als Person nicht und findet dein Buch schon aus Prinzip schlecht
  5. Der Rezensent ist ein Autoren-Kollege und will sein eigenes Buch pushen
  6. Dein Buch benötigt wirklich eine Überarbeitung (hast du es einem Lektor und Korrektor gegeben?)

Nicht alle dieser Gründe sind fair. Trotzdem kann es passieren. Wie also damit umgehen?

Wie soll ich reagieren, wenn jemand mein Buch zerrissen hat?

Eine solche Rezension zu lesen ist erstmal ein Schock. Da passiert was in dir drin, wenn du solche abwertenden Worte über dein Buch liest – und das ist auch völlig in Ordnung. Immerhin hast du nicht nur viel Arbeit, Zeit und Geld in dein Buch gesteckt, sondern auch immer einen Teil deiner Selbst. Das bedeutet aber eben auch, dass du dich erstmal persönlich angegriffen fühlst, wenn jemand dein Buch nicht mag. Außer den Punkten 4 und 5 ist das aber nicht der Fall.

Was du jetzt auf gar keinen Fall tun solltest, ist auszuflippen und dich auf einen Rachefeldzug zu begeben oder in aller Öffentlichkeit darüber zu klagen, wie schlecht die Welt und was für ein armes Hascherl du selbst bist. Warum? Du bist AutorIn. Du hast nach außen eine Persönlichkeit, eine Marke. Die mag jetzt noch klein sein, aber das soll ja in der Regel nicht so bleiben. Möchtest du professionell rüberkommen und den Leuten als angenehme Person im Kopf bleiben? Oder als hysterische Heulsuse und aggressives Pokemon, das keine Kritik verträgt?

Lass uns am besten ein paar Schritte durchgehen, die sich in der Vergangenheit für mich bewährt haben.

Schritt 1: Geh offline

Du hast es gerade entdeckt oder eine Freundin hat dir ganz aufgeregt die Rezension geschickt. Du liest das letzte Wort und bist total erschüttert darüber, wie jemand dein Buch so schlecht finden kann. Wie jemand so gemein sein und sich so abfällig über dein Buch äußern kann. Jetzt passiert in der Regel eins von zwei Dingen:

  • Du wirst total traurig
  • Du wirst total wütend

In beiden Fällen ist es ratsam, den Laptop zuzuklappen und dich von jedem mobilen Endgerät von dieser Rezension zu entfernen. Schließe die Seite mit der negativen Rezension, atme durch und nimm dir erstmal fünf bis zehn Minuten, um das Ganze zu verdauen. Gehe nirgendwo online, besonders nicht auf Twitter oder Facebook, um darüber zu jammern oder zu schimpfen.

Schritt 2: Rufe jemanden an

Du wirst darüber reden wollen, was passiert ist. Lass deine Trauer und deine Wut raus und reg dich so richtig darüber auf. Diese Gefühle sind da und es ist wichtig, dass du sie raus lässt. Aber nicht unkontrolliert im Internet, was deinem Namen nachhaltig schaden kann und wird, sondern offline. Bei Freunden oder der Familie – bei Jemandem, dem du vertraust. Zerkaue gern die ganze Rezension, weise auf jede Stelle hin, an der sich der Rezensent deiner Meinung nach irrt und lasse dich darüber aus, dass er überhaupt keine Ahnung hat. Das ist alles völlig in Ordnung. Solange es hinter den Kulissen abläuft.

Schritt 3: Lies die Rezension noch einmal – mit Abstand

Wenn du dich beruhigt und das Gefühl hast, mit der negativen Rezension jetzt auf rein sachlicher Ebene umgehen zu können, schnapp dir Stift und Papier und lies sie erneut. Der Rezensent findet, dass deine Figuren langweilig sind? Versuche herauszulesen, was ihm daran nicht gefallen hat. Sind die Entscheidungen einiger Figuren nicht nachvollziehbar? Sind Figuren extrem unsympatisch rübergekommen? Gab es Stellen, die der Rezensent zu lang und langweilig fand? Hat er angemerkt, dass das Buch extrem viele Rechtschreib- und Grammatikfehler enthält?

Notiere dir alles was angemerkt wurde ganz sachlich. Gehe auch andere Rezensionen durch und prüfe, ob du dort ähnliche Hinweise findest. Bei meinem Debutroman Geliebtes Blut – Blutsbande* steht zum Beispiel in einigen Rezensionen, dass ihnen die Beschreibung der Charaktere und der Umgebung nicht gut genug waren bzw. fehlten.

Schritt 4: Setze dich mit den Punkten auseinander

Wenn du über einen Verlag veröffentlicht hast, kannst du in der Regel beim aktuellen Buch nicht so sehr viel machen. Du könntest deinen Verlag darauf ansprechen, ob du das Buch nocheinmal überarbeiten darfst, um die Fehler zu beheben. Bist du als Selfpublisher unterwegs, kannst du dir dein Manuskript einfach schnappen und auf die Aussagen hin überprüfen. Wurden viele Fehler angemerkt, suche dir gern auch nochmal einen externen Korrektor (jemanden, der dein Buch bisher noch nicht gelesen hat und nicht textblind ist) und lass ihn dein Buch nachkorrigieren. Das habe ich zum Beispiel mit Savage gemacht. Es waren zwar nicht so viele Fehler, wie in der negativen Rezension angedeutet wurden, aber einige konnten noch gefunden und korrigiert werden. An sich war es also eine gute Sache, denn jetzt ist Savage noch besser.

Bei Blutsbande war es schon schwieriger. Zwar habe ich auch dieses Buch selbst verlegt, allerdings müsste hier das Buch überarbeitet werden, um all die Beschreibungen einzufügen. Das habe ich zwar durchaus vor, es wird aber Zeit kosten und bringt weitere Überlegungen mit sich. Was ich stattdessen getan habe: Ich habe mich in Band zwei, Schattenwolf* verbessert. Dort finden sich umfangreichere Beschreibungen zu den Figuren und der Umgebung, ich habe mehr darauf geachtet, wo sie sind und wo sie hinreisen, wie lange sie dafür brauchen könnten und so weiter. Das macht den zweiten Band um einiges besser als den ersten. Ich bin also als Autorin gewachsen. Auch dafür war es gut, hin und wieder mit einer negativen Rezension (oder zumindest den Anmerkungen in den Rezensionen) bedacht zu werden.

Schritt 5: Tu gar nichts

Du hast die Rezension zur Kenntnis genommen, dich abreagiert, sie sachlich zerlegt und dir das daraus mitgenommen, was dir hilft, dein Buch (oder die nächsten Bücher) zu verbessern und dich als AutorIn weiterzuentwickeln. Damit hast du es geschafft, aus einer negativen Rezension eine positive Entwicklung zu machen.

Sicher, sie wird deinen Bewertungsdurchschnitt etwas nach unten ziehen. Und ja, es ist immer noch unangenehm eine solche Rezension zu erhalten und zukünftige Leser könnten davon abgeschreckt werden. Trotzdem ist es wichtig, die Sache – nachdem du alles für dich genutzt hast, was möglich war – einfach auf sich beruhen zu lassen. Erzähle nicht auf deinen öffentlichen Social Media Kanälen davon. Rege dich nicht öffentlich auf und mache vor allem den Rezensenten nicht schlecht. Ganz egal wie unfair du das findest. Dein Ruf als AutorIn steht hier auf dem Spiel und du bist gut beraten, nach außen Lässigkeit zu zeigen. Mit der Zeit wird dein Fell dicker und du wirst einer negativen Rezension tatsächlich entspannter gegenüberstehen. Bis dahin gilt: Fake it, till you make it.

Die Vorteile einer negativen Rezension

Um den Artikel positiv zu beenden, habe ich auch noch ein paar Vorteile für dich zusammengetragen. Denn auch, wenn für dich erstmal ein bisschen die Welt untergeht, gibt es Gutes an einer negativen Rezension. Sogar ein Verriss kann zu deinen Gunsten ausfallen!

  1. Negative Rezensionen machen die positiven Rezensionen zu deinem Buch glaubwürdiger
  2. Viele Leser kaufen keine Bücher, die nur 4 oder 5 Sterne Rezensionen haben (siehe Punkt 1)
  3. Ein Verriss ist in der Regel als solcher erkennbar und die meisten Leser nehmen es locker
  4. Mit einer negativen Rezension weckst du sogar die Neugier einiger Leser
  5. Du kannst deinen Schreibstil verbessern, weil du schonungslos erfährst, wo deine Defizite liegen
  6. Leser, die dein Buch mögen, schreiben auch Rezensionen, um es zu “beschützen”

Das sind 6 Punkte, die mir spontan eingefallen sind – wenn du mehr weißt, schreib die Vorteile in die Kommentare!

Zu Punkt 6: Hier geht es natürlich nicht darum, dass Leser dein Buch mit Absicht positiv bewerten sollen. Vielmehr soll es bedeuten, dass Leser, die dein Buch mögen, bisher aber zu unmotiviert waren, die Rezension zu schreiben, plötzlich animiert sind, sie doch noch abzugeben, wenn sie die schlechte Rezension entdecken. Einfach, um den Schreiber der negativen Rezension zu widerlegen (wir Menschen haben einfach zu gern recht).

Die 5 goldenen Regeln im Umgang mit Kritik

Wenn die erste negative Rezension kommt, kann das ein Schock sein. Dann ist es gut, wenn du eine Erinnerung daran hast, was nun zu tun ist. Wir neigen nämlich dazu, in stressigen oder emotionalen Situationen den Kopf zu verlieren. Deshalb habe ich dir eine PDF mit den 5 goldenen Regeln im Umgang mit Kritik erstellt, die du dir gleich hier herunterladen kannst! Solltest du sie erst später herunterladen wollen, findest du sie immer im Bereich “Ressourcen“.

Mit Kritik umgehen

 

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